Der Selbstmordverein by Fanny zu Reventlow

Der Selbstmordverein by Fanny zu Reventlow

Autor:Fanny zu Reventlow [Reventlow, Fanny zu]
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: Roman
ISBN: 3784416454
Herausgeber: Langen Müller
veröffentlicht: 1975-12-31T23:00:00+00:00


»Gut«, sagte Burmann, »und ich patrouilliere um die gleiche Zeit vor dem Gymnasium – dann treffen wir uns. Natürlich frage ich vorher noch einmal an, ob Georg inzwischen nach Hause gekommen ist. Vielleicht löst sich der ganze Schrecken in eine neuerliche, noch etwas gewagtere Eskapade der beiden auf. Es wird nun aber doch allmählich zu arg, und das sollen sie mir entgelten. Man hätte wohl Bessers zu tun, als sich um die zwei zu ängstigen und Detektiv vor den verschiedenen Kinderschulen zu spielen … Übrigens, ich gestehe, daß ich vorhin gründlich erschrocken war, aber jetzt bei Tageslicht kommt es mir übertrieben vor, sich so verhängnisvoll zu gebärden, weil ein dummer Junge eine Nacht nicht nach Hause kommt. Vielleicht haben sie nur wieder gebummelt, und er ist bei einem seiner Bekannten geblieben.«

»Gut, versuchen wir es wieder mit Optimismus«, sagte Henning. »Dein Kaffee, Alter, hat Wunder getan an uns … bei Hedy wollte er gestern nicht viel anschlagen … Und du übernimmst den Telefondienst, während[447] wir weg sind. Ist etwas zu melden, so sage es mir zwischen eins und drei Uhr ins Hotel. Dann bringe ich meinen Vater an die Bahn und komme selbst wieder her.«

Burmann machte sich auf, um einen Kollegen zu bitten, er möge ihn heute nachmittag vertreten, und Erasmus ging gleich in die Stadt. Vielleicht gab es der Zufall, daß er den beiden Sündern begegnete. Er ging einige Male durch die Hauptstraßen und dann in eine Konditorei, wo er wußte, daß sie häufig verkehrten. Dort fragte er ganz beiläufig, ob sie gestern hier gewesen seien. »Nein, vorgestern war die junge Dame da und holte ein Paket ab, was sie hier gelassen, seitdem nicht mehr.« Henning saß am Fenster und sah über seine Zeitung hinweg hinaus, viele Unbekannte und hin und wieder auch Bekannte kamen vorüber, mit flüchtigem Seitenblick, wie man im Gehen die Fenster von Läden und Lokalen streift. Das bedienende Mädchen ordnete etwas am Nebentisch und sagte zu ihm hinüber: »Die Herrschaften kommen immer nur nachmittags.« Henning gefiel ihr, und es erweckte ihr Interesse, daß er so teilnahmslos vor sich hinsah, sie hätte gerne ein Gespräch mit ihm angefangen, aber er hatte keine Lust.

Der Vormittag nahm kein Ende, endlich war es halb zwölf, er erkundigte sich nach der Mädchenschule und schlenderte dort auf und ab, bis es Mittag schlug. Bald nachher kamen Scharen von Kindern und halbwüchsigen Mädchen aus dem Gebäude, die größeren folgten etwas später, gingen langsamer und meist zu zweien oder dreien. Auch Lehrer und Lehrerinnen kamen vorbei und sahen ihn mißtrauisch oder neugierig an. Er war auf dem Trottoir stehengeblieben und musterte die einzelnen[448] Gruppen. Hedy war nicht darunter, aber er glaubte das Mädchen zu erkennen, das sie damals begleitet hatte und dann fortlief, als er und Georg kamen. Auf alle Fälle, ob sie es nun war oder nicht, warf er ihr einen vielsagenden Blick zu und winkte mit den Augen. Sie stutzte, ihre Gefährtinnen lachten und machten Bemerkungen. Dann machte sie sich von ihnen los und schlug die entgegengesetzte Richtung ein. Henning folgte ihr



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